
Frauengeschichten aus der Moderne
Geschichte eins …
Anita Augspurg (1857-1943)
Als erste deutsche Juristin kämpft Anita Augspurg für die Realisierung der Frauenrechte.
Sie wächst im Wilhelminischen Kaiserreich auf und ist mit dem Patriotismus und Militarismus dieser Zeit konfrontiert. Anita lebt mit ihrer Partnerin Lida Gustava Heymann zusammen und passt so auch privat nicht in die für sie vorgesehene Frauenrolle.
Neben ihrem Kampf für Frauenrechte glaubt sie daran, dass es Frieden nur mit und über Frauen gibt. Daher ist sie überzeugte Pazifistin und hat eine Führungsrolle in der Münchner Frauenfriedensbewegung.
Anita war politische Aktivistin, sie organisierte Proteste und leitete Frauenrechtsvereine. Als Journalistin und Publizistin verfolgte sie die Frauenfrage und forderte, dass alle Bildungsanstalten auch für Frauen geöffnet werden sollten. Sie erkannte, die Emanzipation der Frauen war nicht allein durch Bildung zu erreichen, sondern erst durch verbürgte Rechte. Mit ihrem Abschluss 1897 wurde Anita zur ersten deutschen Juristin. So forderte sie die rechtliche Gleichstellung der Frau im Zivil-, Straf- und Zivilrecht. Die Ausarbeitung des BGB empfand sie als Fortführung der rechtlosen Stellung von Frauen und Kindern. Im Wilhelminischen Deutschland waren Militarismus und Patriotismus sehr bedeutsam. Das Nationalgefühl wurde durch ein Großmachtgefühl gespeist, die Armee galt als „die Schule der Nation“. Pazifismus hingegen galt als unmännlich und schwach. Die dazu passende Frauenrolle war von Opferbereitschaft geprägt. Die Frau sollte sich in den Dienst des Mannes und Vaterlandes stellen. Für Anita war der Pazifismus in den Frauen angelegt und Frieden und Frauenstimmrecht gehörten zusammen.
Historische Quelle
„Friedensbewegung und Frauenstimmrecht – das eine Voraussetzung des Zieles der andern! Wenn diese Erkenntnis zu allen gedrungen sein wird, die den Frieden wollen, sind wir seiner dauernden Herrschaft näher. Erst wenn Frauen in den Parlamenten sitzen, werden die Summen gestrichen werden, welche die Bewaffnung der Völker so unfruchtbar verschlingt. Erst wenn Frauen in den Parlamenten sitzen, werden die Regierungen zur Rechenschaft gezwungen werden, über gewissenlose Kriegshetze und verbrecherische Diplomatenränke. Erst wenn Frauen in den Parlamenten sitzen, werden die ethischen Forderungen, denen sie Lebensführung der Einzelnen und der Gesellschaft unterworfen sein soll, auch im Verkehr der Völker Herrschaft erringen.“ (Anita Augsburg „Friede auf Erden!“ (1913) zitiert nach Kinnebrock, S. 385)
Aufgaben / Ideen zur Weiterarbeit
Lese die Quelle mit Anitas Aussage und beschreibe 3 Punkte, warum nach ihrer Meinung die Friedensbewegung mit dem Frauenstimmrecht zusammenhängt. Was ändert sich wenn die Frauen in den Parlamenten sitzen?
Anita wird als eine von „Bertha von Suttner`s spirituellen Töchtern“ bezeichnet. Erkläre wie man zu dieser Annahme kam. Nutze dazu folgenden Text: https://www.deutschlandfunk.de/bertha-von-suttner-unermuedliche-kaempferin-fuer-den-100.html.
Höre den Beitrag https://www.bremenzwei.de/audios/anita-augspurg-106.html und beurteile inwiefern Anita einen modernen Lebensstil führte, für welche Schwierigkeiten das damals sorgen konnte und begründe dies?
Quellen und Literatur: Kulturreferat (2014): “Die Geschichte der Frauenbewegung in München”, 3. Ausgabe, München; Kinnebrock, Susanne (2005): „Anita Augspurg (1857-1943) - Feministin und Pazifistin zwischen Journalismus und Politik“ in: Frauen in Geschichte und Gesellschaft, Kuhn Annette/Rothe Valentine (Hrsg.) Band 39, Centaurus Verlag, S. 86-385; Schmidt-Thome (2018): „Sozial bis Radikal. Politische Müncherinnen im Porträt“, Allitera Verlag, München;

