Neue reiche Welle

Auf was wir eigentlich warten, frag ich mich. Während manche an der Ampel stehen und auf das Signal warten, gehen andere über die Straße. Nun zumindest drücken wir noch auf den Knopf, so manch einer steht einfach nur an der Straßenseite und wartet auf was auch immer. Harrt still und mit gesenktem Kopf am Straßenrand. Mensch will man rufen drücke das Signal und du wirst sehen, es wird auch für dich grün werden. Hier ist das System absolut gleichberechtigend an der Straßenkreuzung. Kenne deine Möglichkeiten und nutze sie. Und dann die Momente in denen man scheinbar keine Zeit hat um den Knopf zu bedienen, man hastet auf die Straße zu, schnell rechts und links, dann, das schaff ich und spurtet über die Kreuzung. Es ist eine Entscheidung welche Regeln halte ich ein und welche nicht, wann kann ich das Risiko selbst überblicken, wann traue ich mir zu, dass ich auf das regelnde Sytem verzichte, mit der Konsequenz der vollen Risikotragung. Ein allgemeines stetig blindes Vertrauen führt wohl zu keiner befriedigenden Situation. Das immer verantwortungsvolle Überdenken und auch Hinterfragen, halte ich für entscheidend. Ein der Sicherheit dienendes System ermöglicht ein Zusammenleben vieler. Blindes Vertrauen in jede Regelung sollte daraus jedoch nicht erwachsen, wieviel System-Ungehorsam bestärkt das System und ab wann wird die Neu-Interpretation der System-Regeln gefährlich?

Population

setzt auf Schwarz oder Rot.

 Zwei dimensionale Würfel rotieren

wild.

Kanten werden Schatten.

Populismus,

des Spiegels-platt Interpretation

im Titelbild.

Schlagzeile Bild formt den “Tod”.

Spiegelbild ersetzt die Massen.

Fassungsreich setzt der

Goldschmied seinen Stein.

Die Facetten reich im Spiegelreich,

Schatten sich morgen schon

kopieren.

Jedes Reich braucht seinen Palast.

Der Zug setzt seinen Bauern durch

den Schacht.

Jeden Morgen prickelt sein Unikat,

das Spiegelei.

Giganten der Gedankenhüter

gehen heute schon zur Beichte,

im Gericht, dem Hüter ohne Hut.

Was der Verstand hier schon erreichte,

lässt den Willen nicht vorbei.

Ananassi

Wie aus POP Punk wurde!

Sieht aus wie Werbung? Ist es nicht.

Aus der Kategorie: wenn dir… Zitronen… dann… Limonade…! Gerade wenn man denkt, man hätte seine Sachen einigermaßen im Griff, denkt sich irgendwer, nope!, das machen wir anders. Ist doch auch viel spannender und lehrreicher. Man will sich ja wieder mal so richtig spüren, leben! Echte Emotionen. Folgend also eine Momentaufnahme und ihre textlichen Folgen.

Pop. So heißt das neue Kabarett-Programm von M. Tretter und hatte am 16.02.19 Station in der Alten Mälze. Mit Pop mag man zunächst nur leicht verdauliche und auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebrachte Musik im Stile von Lady Gaga bis Max Giesinger assoziieren. Schnell eingängig, gefällig, aber oft auch schnell langweilig.

Wenig eingängig und schnell ging es vor der Tür zu, begrüßt am heiligen Pult der Gästelisten und Tickets, gab es kein Vorbeikommen. Gästeliste? Ja schauen Sie doch mal, ich müsste draufstehen… Leider Nein! Deprimierendes Bild der Selbsterniedrigung kennt man ja aus dem Popiversum. Degradiert zum Ausharren und Abwarten vielleicht tut sich ja noch was, wie Teenies vorm Backstage auf einem Mark Forster Konzert.

Hastig wird eine Email ins Handy getippt. Was passiert nun mit all meinen gedanklichen Fragen zu Pop, wie wird der Kleinkunstpreisträger Tretter wohl den Polit-Pop zuspitzen? Aufhänger gäbe es genügend, von Christian Lindner und seiner dominat geführten Außendarstellung, erinnert stark an Instagram-Sternchen oder der kabarettistischen Blaupause Donald Trump. Bis hin zu den Gassenhauern der Polit-Parolen  wie „Fake News“/ „Lügenpresse“, „Systempartei“ und „Deutschland den Deutschen“, durch ständige Wiederholung ins Hirn geschliffen und hängengeblieben.

Da wünscht man sich die Vinyl zurück, die endete wenigstens irgendwann. Aber auch die blieb mal hängen, drehte sich in Dauerschleife bis die Toleranzschwelle des Ertragbaren überschritten wurde und sich endlich einer erhob, um dem Kasten einen Tritt zu verpassen. Wie tritt Tretter nach? Lässt der studierte Germanist Tretter diese Parolen wie einen Refrain eines Popsongs in seinem Programm aufpoppen wie kleine Giftpilze, um sie dann genüsslich im Publikum abzuernten? Welche Dosis an psychoaktiven Sprachmitteln lässt er zu, um sein Publikum zu berauschen, doch noch viel wichtiger, womit holt er sie wieder zurück in die Realität?

An diesem Abend werde ich die möglichen satirischen Sternstunden des Pop-Sternchens nicht mehr erleben. Der Meister des Hauses hat gesprochen, keine Besucherritze mehr frei, auch nicht für den Pressefritzen. Und Tschüß, zurück in die sternenklare Nacht. Klare Kante, ein bisschen unangenehm und ohne erlösende Pointe für mich, so also verwandelt sich Pop in Punk. Wer M. Tretter selbst einmal in seinem „Pop“-Universum erleben möchte, kann dies deutschlandweit bis in den Dezember 2019 hinein. Für noch mehr Tretter wird in der WDR5 Radiosendung Politikum seine Kolumne veröffentlicht.

Alaaf ananassi