Der Gang über den Kieselweg

Am Ende der Straße beginnt der Kiesweg nur noch wenige Schritte dann setzt mein Fuß das erste Mal auf die unzählige Menge an Steinchen auf. Ich beobachte wie die schwarze Sohle meines Stiefels auf die kleinen Steinchen trifft und spüre dabei wie sie sich unter meinem Gewicht zu bewegen anfangen, sie knarzen. 

Sie knarzen im Rhythmus meiner Schritte. Ein wenig kann ich sie durch die Sohle fühlen. Die kleinen Kiesel manche hell manche dunkel, von Weitem sehen sie alle irgendwie gleich aus, doch wenn ich sie einzeln erkennen kann, sieht kein Steinchen wie das andere aus. Die Muster ihrer Oberfläche sind nie vollkommen gleich. Ihre Farben sind mal eher rötlich, manche grünlich oder weiß. Mein Fuß rollt auf den Kieseln ab immer wieder, beinahe hört es sich so an als würde ich in einer eiskalten Winternacht über den trockenen und sehr kalten Pulverschnee gehen. Alle Geräusche durch die Landschaft gedämpft beinahe kaum etwas anderes hörbar bis auf den Schnee. Die Luft frisch zeigt sich mir bei jedem Atemzug. 

Der Kiesweg knarzt immer, egal welche Jahreszeit es gerade hat. Immer reiben sich die Steinchen aneinander. Vielleicht reiben sie sich auch auf. In Gedanken bleibe ich stehen. Die Steinchen hören auf, Geräusche zu produzieren und doch kann ich sie noch spüren. Sie tragen mich, jeder Kiesel für sich und doch zusammen. Die Reibung der Kiesel, ich denke an die Steine im Wasser an einer Küste oder in einem Fluss und wie sich der Stein dort immer mehr verändert immer runder wird. Das Wasser schleift den Stein geradezu ab über hunderte, tausende von Jahren. Wie lange es wohl dauert bis das Wasser einen Stein geformt hat. Ein Kieselleben reicht dafür wohl nicht aus, denn die Steine unter meinen Sohlen sehen noch recht eckig und kantig aus. Vielleicht braucht ein Kiesweg auch Kieselsteine mit Kanten, um Halt zu geben. Dennoch tun die Kanten und Ecken sicher weh wenn sie aufeinandertreffen. Jeder Schritt von mir reißt kleine Kratzer in die Kieselsteinchen und ich glaube runde Steine können sich nicht gegenseitig wehtun. 

Ich frage mich, was wohl aus einem Kieselstein wird wenn er kein Kiesweg mehr ist. Wo kommt es hin. Wird es durch die Reibung immer kleiner und runder. Vielleicht ist es irgendwann nach vielen vielen Jahren so klein und rund, dass es nur noch ein Sandkorn ist. Sand tut nicht weh, Sand schmiegt sich an. Sand fühlt sich gut an. Und nach dem Sand kommt nur noch Staub. Staub spürt man fast gar nicht mehr, doch Staub kann fliegen.